Interviewserie

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Frauen-Leben an der Grenze

Frauen-leben an der Grenze -eine Interviewserie über das Leben dieseits und jenseits der österreichisch-tschechischen Grenze seit den Zwanziger-Jahren, über die Erfahrungen der älteren Generation

Ziel des Projektes war es, das Wissen der ältesten Frauen über interethnische Begegnungen in der Region Weinviertel – Südmähren in Erinnerung zu rufen und zu dokumentieren. Die älteste Generation hatte in der Zwischenkriegszeit eine Periode erlebt, in der der interethnische Kontakt Alltag war. Viele Frauen und Männer beherrschten neben der Muttersprache auch die Sprache der Nachbarn, tschechisch und deutsch, deutsch und tschechisch. Im Mittelpunkt des Projektes stand die Durchführung von biographisch-narrativen Interviews mit über 70-jährigen SeniorInnen über ihre Kindheit und Jugend diesseits und jenseits der österreichisch-tschechischen Grenze, ihre Erfahrungen und Beziehungen mit den Nachbarn und Nachbarinnen. Die Interviews wurden, sofern die GesprächspartnerInnen einverstanden waren, mit Tonband- und Fotoaufnahmen dokumentiert.

Die Erfahrungen in Kindheit und Jugend, die Erzählungen der Eltern sollten vor dem Vergessen bewahrt werden und öffentlich zugänglich gemacht werden. Damit soll die Erweiterung des nationalen Blickwinkels auf die transnationale Ganzheit der Region unterstützt werden. Durch die Dokumentation des sozialen Lebens von vorwiegend weiblichen Interviewpartnerinnen abseits der politischen Machtzentren, sollte auch ein Beitrag zur Erforschung von Frauen-Geschichte („her-story“) geleistet werden. Kontaktaufnahme zu den Interviewpartnerinnen und Verlauf der Interviews Insgesamt konnten auf der tschechischen Seite fünf Mitglieder des CSZ sowie der Ehemann einer Funktionärin für Interviews gewonnen werden. Auf österreichischer Seite fanden wir mit Hilfe mehrerer Kontaktpersonen aus Grenzgemeinden, zumeist jüngere Familienmitglieder oder Bekannte, zunächst sieben Interviewpartnerinnen und drei Interviewpartner. Zwei der Interviewpartnerinnen zogen ihre Zusage wieder zurück, eine der beiden stieg ganz aus dem Projekt aus, die zweite erklärte sich zu einem späteren Zeitpunkt doch für das Interview bereit.

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Für die Gespräche suchten wir unsere InterviewpartnerInnen zu Hause in ihrem Heimatort auf. Die Gespräche dauerten jeweils zwischen einer und drei Stunden. Wir wurden von allen InterviewpartnerInnen freundlichst bewirtet. Da im Projektbudget keine Honorare für die Leistung der GesprächspartnerInnen vorgesehen waren, brachten wir kleine Gastgeschenke mit. Die Gespräche fanden teilweise im Beisein anderer Familienmitglieder statt. Zwei Ehepaare wurden jeweils gemeinsam interviewt. Bei den meisten InterviewpartnerInnen lösten die Gespräche weitere Erinnerungen aus, die sie uns telefonisch noch mitteilten. Zwei der Interviewpartnerinnen ersuchten um einen zweiten Termin zur Ergänzung des Gesprächs, den wir gerne wahrnahmen. Mit allen PartnerInnen sind weitere Treffen in der wärmeren Jahreszeit für Fototermine vereinbart, mit einigen auch für Spaziergänge zur Grenze. In den Interviews sind auf generalisierender Ebene immer wieder ethnische Abgrenzungen und Abwertungen anzutreffen, werden Vorurteile und Stereotype deutlich. Diese ethnischen Abgrenzungen spielten bereits zu Beginn der 30er Jahre eine Rolle. In den Vordergrund traten sie laut Auskunft unserer InterviewpartnerInnen mit der Machtübernahme der Nationalsozialistischen Partei. Ethnische Vertreibungen, die zunächst die tschechische Bevölkerung im südmährischen Raum und 1945 fast die gesamte deutschsprachige Bevölkerung in derselben Region betrafen, spielen in den Erzählungen auf beiden Seiten der Grenze teilweise eine große Rolle. Allerdings wird auf beiden Seiten die Vertreibung der jeweils anderen Ethnie ausgespart oder marginalisiert. Trotz nationalistischer Politik der Regierungen geben die lebensgeschichtlichen Erzählungen allerdings auch Einblick in nachbarschaftlich-freundschaftliche Begegnungen auf persönlicher Ebene. Diese persönlichen Erfahrungen nachbarschaftlicher Nähe im Alltag standen im Mittelpunkt unseres Interesses.

Unsere Fragen kreisten um die Themenbereiche 1. Kindheit, 2. Schulzeit, 3. Eigene Eltern, ältere Verwandtschaft, 4. Jugend, 5. Ehe und Kinderkriegen, 6. Brauchtum und religiöse Feste, Volksfeste, Feste diesseits und jenseits der Grenze, Kirtage, Märkte, 7. Kulturelle Ereignisse, 8. Alltag und Erwerbsleben, 9. Kooperationen und Hilfestellungen, 10. Männerarbeit / Frauenarbeit – Aufgabenverteilung, 11. „ethnische Identitäten“

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Liste der InterviewpartnerInnen

1 31.01.04 Frau M. *1916 Hohenau; Interviewsprache: deutsch
2 07.02.04 Frau A. *1918 Kleinriedenthal, Interviewsprache: deutsch
3 27.02.04 Herr O. *1919 Slavkov, Interviewsprache: tschechisch
4 11.12.03 Frau St. *1920 Suchohrdly, Interviewsprache: deutsch und tschechisch
5 12.11.03 Herr E. *1921 Mitterretzbach, Interviewsprache: deutsch
6 12.12.03 Frau L. *1921 Bulhary, Interviewsprache: deutsch und tschechisch
7 12.11.03 Frau E. *1922 Mitterretzbach, Interviewsprache: deutsch
8 11.12.03 Frau K. *1922 Suchohrdly, Interviewsprache: deutsch und tschechisch
9 29.12.03 Herr G. *1923 Poysdorf, Interviewsprache: deutsch
10 11.03.04 Frau K. *1923 Hohenau, Interviewsprache: deutsch
11 30.12.03 Frau S. *1926 Ottenthal, Interviewsprache: deutsch
12 11.12.03 Frau K. *1929 Suchohrdly, Interviewsprache: tschechisch
13 31.01.04 Herr S. *1929 Hohenau, Interviewsprache: deutsch
14 27.02.04 Frau O. *1929 Slavkov, Interviewsprache: tschechisch
15 30.01.04 Frau E. *1930 Unterretzbach, Interviewsprache: deutsch

Fördergeber des aktuellen Projekts POST 41

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Österreichisches Kulturforum in Warschau